Buybacks auf Rekordniveau – immer mehr Unternehmen setzen auf Aktienrückkäufe
Worauf ausschüttungsorientierte Investoren jetzt achten müssen und der breitere Shareholder Yield Ansatz Mehrwert bieten kann.

Abbildung 1: Dividenden und Rückkäufe (S&P 500); Quelle: Aswath Damodaran https://aswathdamodaran.substack.com/p/data-update-9-for-2025-dividends
In den letzten Jahren haben Aktienrückkäufe bei der Kapitalallokation von Unternehmen deutlich an Bedeutung gewonnen, insbesondere in den USA. Die jährlichen Aktienrückkäufe der Unternehmen liegen deutlich höher als die ausgezahlten Dividenden der US-Unternehmen. Und dies obwohl beide Mechanismen denselben Effekt haben: die Reduktion des im Unternehmen verbleibenden Cash und des Eigenkapitals (vgl. dazu den Chart weiter oben).
Für Unternehmen haben Aktienrückkäufe laut dem bekannten „Value-Professor“ Aswath Damodaran aber einen entscheidenden Vorteil in der Kapitalallokation – sie sind flexibler als Dividenden. Als klassisches Beispiel kann die Senkung von Dividenden bei Dividendenaristokraten herangezogen werden. Dividendenaristokraten neigen dazu Dividendenerhöhungen durchzuführen, auch wenn diese Zahlungen nicht nachhaltig durch den freien Cashflow gedeckt sind. Dividendensenkungen sind bei Investoren meist unerwünscht und wirken sich dadurch negativ auf den Kurs des Unternehmens aus, da es einen wichtigen Signal-Effekt hat. Aktienrückkäufe hingegen können flexibel gesenkt und pausiert werden, ohne negative Auswirkungen auf den Kurs. Was bei Dividendenzahlungen noch erschwerend hinzukommt, ist das von Damodaran beschriebene Phänomen des „Me-Tooism“. Dieses Phänomen beschreibt, dass sich Unternehmen bei ihren Dividenden-Richtlinien an der Peer-Group orientieren, ungeachtet der eigenen finanziellen Lage des Unternehmens. So kann es zu einer Fehlallokation von Kapital kommen.
1. Machen Buybacks in der Kapitalallokation von Unternehmen eigentlich immer Sinn?
Aktienrückkäufe sind vor allem dann wertschaffend und sinnvoll für Aktionäre, wenn die Aktie des Unternehmens unterbewertet ist. Aktienrückkäufe bei zu hohen Bewertungen hingegen machen wenig Sinn, da das zukünftige Renditepotenzial der Aktie geringer ist. Warren Buffet beispielsweise wendet Aktienrückkäufe nur an, wenn er der Meinung ist, dass die Aktie von Berkshire Hathaway unterbewertet ist. Aktuell liegt die Aktienrückkaufrendite der S&P 500 Unternehmen bei ungefähr 2,0% und befindet sich damit – die Corona-Pandemie ausgenommen – auf dem niedrigsten Niveau der letzten 15 Jahre. Dies liegt daran, dass die Marktkapitalisierungen der Unternehmen stärker gestiegen sind als die Gewinne und Rückkäufe der Unternehmen – es kam also zu einer Bewertungsausweitung. Des Weiteren sollte auch darauf geachtet werden, dass die Aktienrückkäufe nicht nur zur Finanzierung von aktienbasierten Vergütungsprogrammen genutzt werden. Aktien- bzw. Optionsbasierte Vergütung ist vor allem im Software- und Technologie-Sektor populär, dadurch werden allerdings bestehende Alt-Aktionäre verwässert, wenn nicht in gleicher Höhe Aktien zurückgekauft werden. Deshalb sollten Investoren immer die Netto-Rückkäufe betrachten.
2. Wieso die Shareholder Yield Strategie einer reinen Dividenden Strategie überlegen ist!
Die reine Dividendenstrategie berücksichtigt ausschließlich die Dividendenrendite eines Unternehmens als Maßstab für die Kapitalrückführung an die Aktionäre. Dabei wird jedoch ein wesentlicher Teil der gesamten Aktionärsrendite ausgeblendet – nämlich Aktienrückkäufe und die Rückführung von Schulden. Genau hier setzt die Shareholder-Yield-Strategie an: Sie erweitert den Blickwinkel und berücksichtigt alle Formen der Kapitalrückführung, also
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- Dividendenzahlungen,
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- Aktienrückkäufe und
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- Schuldenreduktionen (Netto-Schuldenabbau).
Die gesamte Shareholder Yield ergibt sich somit aus der Summe dieser drei Komponenten im Verhältnis zur Marktkapitalisierung des Unternehmens.
Diese erweiterte Sichtweise ist aus unserer Sicht der reinen Dividendenstrategie aus mehreren Gründen überlegen:
1. Ganzheitlicheres Maß für Kapitalrückführung:
Während eine reine Dividendenstrategie nur Unternehmen mit hoher Ausschüttungsquote über Dividenden bevorzugt, bezieht die Shareholder Yield auch Unternehmen ein, die über Rückkäufe oder Schuldenabbau Kapital an die Aktionäre zurückgeben. Gerade in den letzten Jahren ist der Anteil der Aktienrückkäufe an der gesamten Kapitalrückführung stark gestiegen – wer sich nur auf Dividenden fokussiert, blendet also einen erheblichen Teil der Kapitalmarkt-Realität aus, insbesondere bei der Beurteilung von US Unternehmen.
2. Höhere Flexibilität und Effizienz in der Kapitalallokation:
Wie bereits ausgeführt, sind Rückkäufe für Unternehmen flexibler als Dividenden. Unternehmen können sie je nach Bewertung und Cashflow-Situation anpassen, ohne negative Marktsignale auszusenden. Eine Shareholder-Yield-Strategie profitiert somit von dieser Flexibilität, während eine reine Dividendenstrategie oft Unternehmen bevorzugt, die an starren Ausschüttungspolitiken festhalten – selbst wenn diese nicht nachhaltig sind.
3. Vermeidung von Fehlanreizen und Fehlallokation:
Reine Dividendenstrategien können zu einer Übergewichtung reifer, langsam wachsender Unternehmen führen, die hohe Dividenden zahlen, aber nur begrenzte Wachstumschancen haben. Die Shareholder-Yield-Strategie hingegen berücksichtigt auch Unternehmen, die Kapital über Rückkäufe effizienter einsetzen, wenn sich Wachstumschancen ergeben oder wenn Aktien unterbewertet sind. Dadurch entsteht ein besseres Gleichgewicht zwischen Ausschüttung und Wertsteigerung. Zudem ist oft zu beobachten, dass Dividendenstrategien oftmals zu einseitig in Sektoren investieren (zum Beispiel defensiver Konsum, Versorger, Telekommunikation) und so Klumpenrisiken im Portfolio entstehen.
4. Empirisch höhere Renditen und geringeres Risiko:
Zahlreiche empirische Studien – unter anderem von Mebane Faber („Shareholder Yield: A Better Approach to Dividend Investing“) – zeigen, dass Portfolios mit hohen Shareholder Yields historisch gesehen höhere Gesamtrenditen undgeringere Volatilität aufwiesen als reine Dividendenstrategien. Dies liegt daran, dass die Shareholder-Yield-Strategie nicht nur stabile Ausschütter identifiziert, sondern auch jene Unternehmen, die Kapital effizient einsetzen und ihre Bilanz langfristig stärken.