Warum das Shareholder-Yield-Konzept der geeignetere Maßstab für nachhaltige Ausschüttungsstrategien ist
Warum das Shareholder-Yield-Konzept der geeignetere Maßstab für nachhaltige Ausschüttungsstrategien ist, führen Martin Reich, Vorstand und Partner bei der Reich, Doeker und Kollegen AG, sowie Gökhan Kula, Vorstand und Partner bei der ALPS Family Office AG, aus.
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https://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/dividenden-allein-sind-nicht-genug-242460
Am 2. Mai 2025 feierte der S&P 500 Dividend Aristocrats Index seinen 20. Geburtstag. Ein geeigneter Anlass, um die etablierte Strategie des Dividendeninvestierens auf den Prüfstand zu stellen. Der Index umfasst Unternehmen aus dem S&P 500, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren kontinuierlich erhöht haben. Was ursprünglich als intelligentes Smart-Beta-Konzept gestartet ist, hat sich zu einer festen Größe entwickelt – sowohl im Private Banking als auch in institutionellen Aktien- und Multi-Asset-Mandaten. Doch reicht eine rückwärtsgewandte Betrachtung der Dividendenhistorie aus, um langfristig Überrenditen zu erzielen?
Die Erfolgsbilanz der Aristokraten
Tatsächlich war die Performance des Index in den vergangenen zwei Jahrzehnten bemerkenswert. Wer 2005 $100 in den S&P 500 Dividend Aristocrats investierte und die Dividenden reinvestierte, hätte sein Kapital bis heute auf über $700 vervielfacht. Unternehmen wie Sherwin-Williams (+2.981%, gerechnet jeweils in USD), McDonald’s (+1.735%) oder Grainger (+2.389%) belegen, dass konservative Dividendenzahler keineswegs Renditenachzügler sein müssen.

Quelle: S&P Dow Jones Indices, “Celebrating 20 Years of S&P 500® Dividend Aristocrats® with20 Fun Facts, Performance in USD
Diese sog. „boring compounders“ überzeugen durch Cashflow-Stabilität, Preissetzungsmacht und Kapitaldisziplin. Es zeigt sich langfristig also, dass nicht nur mit den im aktuellen Kapitalmarktzyklus im Fokus stehenden Highflyern wie KI-Aktien oder wachstumsstarken Technologieaktien Rendite generiert werden kann – langfristig gewinnen sogar „langweilige“ Dividenden oder Low-Volatility Aktien still und leise gegen diese Wachstumsaktien.
Allerdings ist die Vergangenheit kein Garant für zukünftige Erträge – aus unserer Sicht greift die alleinige Betrachtung der Dividende- bzw. der historischen Dividendenentwicklung zu kurz, wenn es um den Aufbau eines langfristig robusten Aktienportfolios geht.
Dividendenkontinuität ist kein Selbstzweck
Ein prominentes Negativbeispiel liefert der US Pharma-Einzelhandelsriese Walgreens Boots Alliance. Trotz über 45 Jahren Dividendenwachstum musste das Unternehmen 2024 die Dividende kürzen – und 2025 sogar komplett streichen. Strukturelle Herausforderungen, sinkende Margen und eine zunehmende Verschuldung machten eine Fortsetzung der bisherigen Ausschüttungspolitik nicht mehr tragfähig. Dieses Beispiel zeigt: Eine lange Dividendenhistorie – oder Dividendenzahlungen an sich – sagen nicht zwangsläufig etwas über die Qualität oder Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells aus. Sie können im Gegenteil sogar kontraproduktiv sein, wenn sie zu Kapitalfehlallokationen führen oder ein strukturell nicht mehr wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell kaschieren.
Warum wir bei ALPS weiter denken – Aktionärsrendite als bessere Kenngröße
Wir bei ALPS Family Office sehen Dividenden als eine von mehreren Möglichkeiten, über die Unternehmen Kapital an ihre Eigentümer zurückführen können. Neben Dividenden zählen auch Aktienrückkäufe und Schuldentilgungen zur Wertschöpfung für Aktionäre. Genau hier setzt das Konzept der Aktionärsrendite (Shareholder Yield) an:
Dieser umfassendere Ansatz geht über reines Dividend-Investing hinaus, da er alle relevanten Kapitalrückführungsmaßnahmen berücksichtigt. Aktienrückkäufe sind in den USA ein besonders beliebtes Instrument zur Kapitalverwendung, vor allem steuerliche Vorteile können dabei überzeugen neben der größeren Flexibilität für das Management, da Dividenden als Signalwirkung oftmals nur dann gekürzt werden, wenn keine Alternative mehr übrigbleibt. Wie die folgende Darstellung zeigt, haben Aktienrückkäufe im S&P 500 gemessen in absoluten US-Dollar-Beträgen die Dividendenzahlungen in den vergangenen Jahren deutlich übertroffen.

Quelle: Yardeni Research, LSEG Datastream, Stand: 04.06.2025
Bei Aktienrückkäufen ist entscheidend, dass sie unterhalb des inneren Werts erfolgen und nicht durch Verschuldung finanziert werden. Daher ist eine laufende Qualitätsbewertung der Unternehmen zentral.
Unser hauseigener Shareholder Yield-Selektionsansatz, wie er im Publikumsfonds MYRA US Equity Fund (LU1432736525) umgesetzt wird, kombiniert die Aktionärsrendite mit fundamentalen Qualitätskriterien wie Umsatz- und Gewinnentwicklung sowie Bewertung (u. a. Free-Cash-Flow-Yield). Das Ergebnis ist ein gleichgewichtet umgesetztes Aktienportfolio mit hohem Active Share gegenüber dem S&P 500 Index – mit systematischer Übergewichtung der Faktoren Value, Dividend & Buybacks.
Ein Vergleich der Wertentwicklung im historischen Kontext verdeutlicht insbesondere in den vergangenen drei bzw. fünf Jahren die Vorteile des breiter angelegten Shareholder-Yield-Ansatzes im Vergleich zur reinen Aristokratenstrategie:
| ISIN | 3 Jahre | 5 Jahre | Seit Emission | |
| ProShares S&P 500 Dividend Aristocrats | US74348A4673 | 4,16% p.a. | 10,56% p.a. | 8,85% p.a. |
| MYRA US Equity | LU1432736525 | 7,02% p.a. | 12,72% p.a. | 8,86% p.a. |
Quelle: Morningstar, FactSet Research, eigene Berechnungen, Stand: 04.06.2025
Damit wird auch eine weit verbreitete Hypothese relativiert: dass nämlich passive Strategien langfristig immer gegenüber aktiven Strategien eine Outperformance erzielen.
Fazit
Dividenden sind ein bedeutendes Instrument in der Kapitalanlage bzw. auch bei der Aktienselektion – aber kein Selbstzweck. Eine breiter gefasste Aktionärsperspektive, welche auch Buybacks und Qualitätskriterien einbezieht, bietet aus unserer Ansicht nach einen klaren Mehrwert gegenüber reinen Dividendenstrategien.
Entsprechend eignen sich diese Strategien als gezielte Ergänzung zu einem passiven, kapitalisierungsgewichteten S&P-500-Core-Investment, das derzeit stark technologie- und wachstumsorientiert positioniert ist – bei historisch anspruchsvollen Bewertungsniveaus. Der wertorientierte MYRA US Equity Fund eignet sich als gezielte Satellitenbeimischung. Die gleichgewichtete Umsetzung in Verbindung mit hohem Active Share und strengen Qualitätsfiltern eröffnet Investoren den Zugang zu einem robusten US-Aktienportfolio mit Fokus auf nachhaltige Aktionärsrenditen.
Autoren

Herr Martin Reich
Vorstand und Partner bei Reich, Doeker und Kollegen AG

Herr Gökhan Kula
Vorstand und Partner bei ALPS Family Office AG