"What were you thinking?" – 2026 SpaceX Edition

Bildhinweis: Titelgrafik KI-gestützt mit ChatGPT erstellt. Redaktionelle Konzeption und Verantwortung: ALPS Family Office AG.

Scott McNealy, CEO von Sun Microsystems – einem der gehyptesten Tech-Werte der Dotcom-Ära – stellte sie Investoren nach dem Platzen der Blase. Seine eigene Aktie war damals auf dem Höhepunkt mit dem 10-fachen Umsatz bewertet. Heute wirkt diese Frage bei den IPOs von SpaceX, Anthropic & Co aktueller denn je. SpaceX ist mit einer IPO-Bewertung von Preis/Umsatz nahe 100 ein ganz anderes Kaliber als damals Sun Microsystems.

Das schließt kurzfristige Kursgewinne nicht aus: SpaceX ist letzten Freitag erfolgreich gestartet, die Zeichnungsgewinne sind verdient. Als langfristig orientiertes Family Office mit strukturiertem Investmentprozess suchen wir Renditen abseits der Schlagzeilen. In den seltensten Fällen ist ein Investment in „heiße“ Stories tatsächlich erfolgreich für Investoren. Eine aktuelle Analyse von Charlie Bilello zeigt eindrucksvoll, dass die wichtigsten Neuemissionen der letzten 15 Jahre ein durchschnittliches Verlustgeschäft von -31% bei einer Haltedauer von einem Jahr waren:

Wertentwicklung der wichtigsten IPOs der letzten 15 Jahre, Quelle: @CharlieBilello (Creative Planning)

Und dabei ist SpaceX nur der sichtbarste Aufhänger. Laut einer Auswertung von Jeff Weniger (Wisdom Tree) sind inzwischen rund 51 % der S&P-500-Marktkapitalisierung mit über 10x Umsatz bewertet. Wer sich mit dem S&P 500 „breit diversifiziert“ fühlt, hält heute faktisch eine stark konzentrierte Wette auf wenige Tech-, KI- und Halbleiterwerte. Genau in diesen Sektoren kippen die erfolgreichen Geschäftsmodelle: Die Hyperscaler waren jahrelang „asset light“-Geschäftsmodelle mit hohen Margen und starkem Free Cashflow. Jetzt explodiert der Capex für KI-Infrastruktur, während der freie Cashflow unter Druck gerät, wie die folgenden Grafiken der Financial Times zeigen:

Capex und Cash Flow Entwicklung der Hyperscalers, Quelle: Financial Times

Verschärft wird das durch das „AI Flywheel“. Wenn Cloud-Anbieter, Chiphersteller, Hyperscaler und KI-Modelle zunehmend untereinander investieren und fakturieren, können Umsätze innerhalb eines engen Ökosystems mehrfach hoch bewertet werden, bevor klar ist, wer am Ende dauerhaft freien Cashflow erwirtschaftet. Da darf nicht viel schiefgehen, da in den Preisen ein sehr optimistisches Szenario eingepreist ist.

Für uns als Family Office heißt das nicht, dass wir KI oder Technologie meiden. Wir setzen in unserer Vermögensverwaltung u.a. auf einen Nasdaq-ETF, mit dem wir an diversen technologischen Megatrends agnostisch partizipieren – nun auch durch die außerordentliche und fragwürdige Indexaufnahme von SpaceX durch nachträgliche Änderung der Indexregeln. Aber laufende Gewinnmitnahmen, Rebalancing und die Umschichtung aus sehr hoch bewerteten Tech-Segmenten in inflationsresistentere und günstiger bewertete Bereiche wie Consumer Staples, Gesundheit, Energie oder rohstoffnahe Geschäftsmodelle können helfen, erzielte Mehrwerte zu sichern und Kapital in out-of-favor-Sektoren renditeträchtiger einzusetzen.

Vielleicht wird Elon Musk uns Investoren in einigen Jahren die gleiche Frage „What were you thinking?“ stellen. Mit diesem Beitrag geben wir als Family Office bereits heute unsere Antwort darauf. Welche Antwort haben Sie als Investor auf diese Frage?